Ob im Schwimmbad, im indischen Restaurant oder beim Schuhkauf: Herbert Knebel kriegt mit großer Wahrscheinlichkeit einen „Hals“.

Ruhrpottrentner begeistern erneut vor ausverkauftem Haus in Ilsede

Knarzige Bässe wabern durch die Halle. Eine raue Stimme kündigt echte, wirklich wilde Männer an. Da kommen sie – in Form von Kult-Komiker Herbert Knebel und seinem dreiköpfigen Affentheater.

Typisch mit dicker Hornbrille und Opa-Mütze legt der rüstige Frührentner mit der großen Klappe auch gleich los.

Da wird bei Queens „We Will Rock You“ direkt auf jegliche Grammatikregel verzichtet. Nun heißt es: „Wir tun euch jetzt rocken.“ Es soll nicht die letzte grammatikalische Sünde sein, wenn Herbert Knebel mit seinem neuen Programm „Männer ohne Nerven“ die 800 Besucher in der seit Januar restlos ausverkauften Gebläsehalle in Ilsede verzückt. Zur Fotogalerie

Nicht fehlen darf natürlich der „Trainer“ (Detlef Hinze). Der ist heute etwas nervös. „Nimm doch eine Tablette dagegen!“ Hat er schon. „Wat denn für eine?“, fragt Ernst Pichel (Martin Breuer,). „Eine von Placebo!“ Knebel setzt nach. Der war letztens mit seiner Frau Guste schwimmen. Was so ein wahrscheinlich nie endgültig der Pubertät entlaufener Kerl ist, der schubst seine große Liebe natürlich ins Becken. „Mensch, die kann ja lange die Luft anhalten“, denkt Knebel. Während sie verzweifelt nach Luft schnappend auftaucht, setzt bei ihm die Erinnerung ein. Guste wollte stets lieber in die Berge statt ans Meer. Sie ließ sich am Baggerloch damals lieber anbaggern, als ins kühle Nass zu hüpfen.

fotogalerieMit der Erkenntnis, dass sie wohl nicht schwimmen kann, springt Knebel ihr, die Nerven bewahrend, hinterher. Um genau zu sein, voll auf sie drauf. Jetzt schreien beide um Hilfe, bis sie merken, dass der Bademeister neben ihnen steht. Knebel-Erfinder Uwe Lyko zeigt gleich zu Beginn seine Stärke: Skurrile Geschichten mit aus dem Alltag entsprungenen Vorlagen zu formen.
Die zweite Stärke sind zweifelsohne die Texte der umgedichteten Rocksongs. Auch heute zieht der aus der WDR-Sendung „Mitternachtsspitzen“ bekannte Komiker alle Register mit seinen umgedichteten Klassikern. Da wird aus „Wild Thing“ „Wahnsinn“ und aus „You Sexy Thing“ mit steifem Hüftschwung „Du sexy Ding“. Dabei darf nicht außer Acht gelassen werden, dass die drei Musiker alles andere als ein Affentheater auf ihren Instrumenten veranstalten. Vor allem die Soloeinlagen von Gitarrist Ozzy Ostermann (Georg Göbel) brauchen sich nicht zu verstecken.

Dazu das Aussehen. In Pomade getränkte Seitenscheitel, bestimmt schon mehrfach der Altkleidersammlung von der Schippe gesprungene Hemden und die besten Jahre weit hinter sich gelassenen Bundfaltenhosen beweisen: Die Meinung der Frauenwelt ist diesen Männern vollkommen gleichgültig geworden. Früher war das anders: Da traf man sich mit den Mädels ja nur in der Eisdiele. Da fiel die Hitze der ausschließlich durch Hormone gesteuerte Haudegen ein bisschen weniger auf. Die Zeiten ändern sich. Wenn heute die Polizei wilde Kaffee- und Kuchenpartys stürmt, dann stellen sich die harten Jungs von damals einfach tot.

Die besten Pointen des Abends: „Ich habe Schweißfüße. Eigentlich sind meine Schuhe ein Fall für den Salzstock.“ Oder: „Petra Schlecker hatte mich schon wegen ihres Namens angezogen – Petra.“ Oder: „Jungen Leuten beschreibst du eine Jukebox am besten als einen mehrere 100 Kilo schweren Ipod.“
Zwei Zugaben untermalen, dass Herbert Knebels Affentheater auch mit dem nunmehr 13. Programm nicht verlernt hat, wie die Kombination aus Comedy und Live-Musik funktioniert. In diesem Sinne als letztes Zitat folgende Weisheit: „Je älter du wirst, desto mehr wirst du weniger. Und weniger ist schließlich mehr.“

Text: Andreas Kreichelt / Fotos: Clemens Heidrich

 

 

Die Veranstaltung wurde präsentiert von:
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