Die HSV-Stars zeigten jede Menge Kabinettstückchen und lieferten eine tolle Handball-Show ab.

Champions-League-Sieger HSV Handball sorgt für Super-Stimmung bei tropischen Temperaturen

Ein phantastisches, wenn auch Schweiß treibendes Handballfest haben 400 Zuschauer in der proppevollen Sporthalle in Groß Lafferde und einige hundert vor der Leinwand beim Public Viewing genossen.

Dabei kam dem Endergebnis dieses für Groß Lafferde historisch zu nennenden Sportereignisses, das vom Gleitz Verlag und der Volksbank Peine präsentiert wurde, keine große Bedeutung zu, eher der Art und Weise, wie es zustande kam.

Denn kein Geringerer als der amtierende Handball-Champions-League-Sieger HSV Handball fegte den in der Landesliga Braunschweig spielenden MTV Groß Lafferde mit 37:8 (19:2) Toren aus der Halle. Das bis zur letzten Spielminute begeistert mitgehende Publikum erlebte besonders in der Schlussphase, als die Gastgeber stehend k.o. waren, Handball vom Feinsten. In dieser Phase, die den Namen einer großen Handball-Zirkusshow verdiente, hätten die Bundesligisten locker noch zehn Treffer drauf packen können. Sie beließen es aber bei ihren technischen Kabinettstückchen, die auf den Rängen helle Begeisterung hervorriefen.


Zur FotogalerieÜberhaupt hinterließen die HSV-Handballer mit Trainer und Umfeld in Groß Lafferde einen  positiven Gesamteindruck - in der Halle fair und vor der Halle höflich und freundlich. Die bei der Volksbank in Gadenstedt geplante Autogrammstunde musste ausfallen, da der Bus auf der A 7 im Stau saß. Nachgeholt wurde die Stunde dann aber noch vor dem Anpfiff auf dem MTV-Sportplatz, wo sich die Fans, in langer Reihe zwischen Hüpfburg, Bier-, Pommes-, Bratwurst- und Sponsorenständen wartend, Poster und Karten von den Weltklasse-Handballern signieren oder sich mit ihnen fotografieren ließen.


„Ich habe sie alle“, freute sich zum Beispiel der zehnjährige Simon Schmidt. „Das Poster kommt jetzt bei mir an die Wand.“ Überglücklich war auch Emma Kretzschmar, acht Jahre alt. Sie durfte an der Hand von Pascal „Pommes“ Hens in die Halle einlaufen und erhielt dafür – wie alle anderen Einlaufkinder auch – zur Erinnerung einen kleinen HSV-Wimpel. Lafferdes Handballnachwuchs zeigte sich vor dem Anpfiff optimistisch, dass die 1. Herren des MTV Groß Lafferde mindestens zehn Treffer erzielen würde. 10:40 tippte Finn Härtel mit einer Einschränkung: „Aber nur, wenn der HSV nicht volle Pulle spielt“, 12:40 Mike Seiler, 15:42 Niklas Hilbert, 13:38 Philipp Quiring.


„Es macht uns immer Riesenspaß, in einer vollbesetzten Halle zu spielen“, sagte Nationaltorhüter Johannes Bitter, „egal, ob da 10 000 Leute drin sind oder 400.“ HSV-Trainer Martin Schwalb sprach „von unserer großen Verantwortung für den Handballsport, auch derartige Freundschaftsspiele ernst zu nehmen.“ Es sei für den Verein, aber auch für den Handball insgesamt eine wunderbare Werbung. Wegen des vielen Trainings und des vollen Jahresprogramms könnten die Bundesligisten aber pro Saison in der Regel nur drei oder vier Spiele wie hier in Lafferde machen, meinte er bedauernd.


Zum Spiel: Die Gäste gingen konzentriert zu Werke. Tore  fielen im Minutentakt. Es dauerte 13 Minuten, bis der MTV beim Stand von 0:10 durch Kai Grobe seinen ersten Treffer erzielte. Sekunden vor dem Halbzeitpfiff beklatschten die Zuschauer das zweite Tor durch Steffen Slabon zum 2:19-Pausenstand. „Wenn Du plötzlich am Kreis allein vor Jogi Bitter stehst, wird es ganz schön dunkel“, meinte ein beeindruckter MTV-Spieler Peter Jarzombek  Denn das muntere Toreschießen des Champions-League-Gewinners ging in der zweiten Halbzeit weiter. Blinde Anspiele der Außen, Kempa-Tricks, einfach bis vierfach, 360 Grad-Drehungen, waagerecht in der Luft liegend, Dreher in allen Variationen, sanfte Leger ins Tor – das Publikum kam aus dem Staunen nicht heraus bei diesem Handballfestival.


Aber der Landesligist ließ sich nicht hängen. Bis auf ihren einzigen Langen, Kai Grobe, war die gesamte Mannschaft mindestens einen Kopf kleiner als die breitschultrigen Riesen aus der Hansestadt mit ihren Weltklassespielern, wie Domagoj Duvnjak, von Experten zum „Spieler der Saison 2012/13“ gewählt, Petar Djordjic, Kentin Mahé, Andreas Nilsson, dem vom insolventen Klub Atletico Madrid verpflichteten spanischen Weltmeister Joan Canellas oder Rechtsaußen Hans Lindberg, der am Spieltag 32 Jahre alt wurde. Das Publikum gratulierte der „Tormaschine“ mit einem „Happy birthday“-Song – bezeichnend für die gute Stimmung in der Halle, für die auch Eintracht Hildesheims erfahrener Hallensprecher Olli Mau sorgte. Sogar die La-Ola-Welle klappte. Lafferdes Trainer Gerrit Meyer: „Eine tolle Show des HSV. Jeder Zuschauer hatte seinen Spaß.“

Der MTV Groß Lafferde spielte mit: Christoph Könnecker, Simon Brecht, Tom Gärtner, Dennis Müller (1), Matthias Wosnitza (1), Jan Burgdorff (1), Xavier Petitjean (2), Steffen Müller, Sören Reuter, Jan Neumann, Steffen Slabon (1), Jan-Hendrik Nikutowski, Kai Grobe (1), Peter Jarzombek, Gerrit Marris, Patrick Knittel.

Der HSV Handball spielte mit: Johannes Bitter, Marcus Cleverly, Stefan Schröder (2), Domagoj Duvnjak (3), Torsten Jansen (3), Blazenko Lackovic (1), Joan Canellas, Petar Djordjic (7), Hans Lindberg (6), Andreas Nilsson (7), Kentin Mahé (7), Davor Dominikovic, Pascal Hens (1). Toft Hansen und Adrian Pfahl saßen verletzt auf der Bank.

Schiedsrichter: Mark Zerter und Daniel Löschmann (HSG Edemissen).

Torfolge: 0:1, 0:10, 1:10, 1:19, 2:19 (Halbzeit). 3:23, 4:24, 5:28, 6:28, 6:32, 7:32, 8:37.

 

Text: Wolf-Gerhard Kind / Fotos: Dennis Söhlke und Geoffrey May